So profitieren Sie vom Betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement

Ist ein Mitarbeiter länger als sechs Wochen im Jahr arbeitsunfähig, bedeutet das eine Herausforderung für alle Beteiligten. Für den Arbeitgeber ist die krankheitsbedingte Kündigung des Angestellten das letzte Mittel. Zuvor gilt es, Maßnahmen zu ergreifen zum Schutz des Beschäftigungsverhältnisses, zum Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit und zur Prävention künftiger Ausfälle. Vorteile für beide Seiten verspricht in diesem Zusammenhang das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM).

Das Unternehmen ist bei entsprechender Sachlage per Gesetz dazu verpflichtet, dem betroffenen Mitarbeiter ein BEM anzubieten – kann ihn aber nicht dazu verpflichten. Im Sinne von Transparenz und Gleichbehandlung empfiehlt sich eine strukturierte, überprüfbare Vorgehensweise in Form eines Managementsystems, das bereits vor dem Eintritt eines konkreten Falls eingeführt wird. Durch eine Betriebsvereinbarung sind die Mitarbeiter über das Thema informiert und werden nicht erst in der Akutsituation damit konfrontiert, was Zweifeln vorbeugen kann.

Zum BEM zählen dabei nicht nur das Erstellen eines Wiedereingliederungsplans und die stufenweise Eingliederung, sondern auch das Erkennen von betrieblichen Ursachen von Gesundheitsstörungen. Lässt sich der ursprüngliche Arbeitsplatz des Mitarbeiters nicht entsprechend anpassen oder auf dessen (eingeschränkte) Fähigkeiten zuschneiden, ist nach einer anderen Beschäftigungsform im Unternehmen zu suchen.

Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Betriebsarzt zu, der über das medizinische Knowhow verfügt und die Arbeitsbedingungen des Unternehmens kennt. Er gleicht die bestehenden Fähigkeiten des Betroffenen mit den Anforderungen des Arbeitsplatzes ab und zieht die nötigen Schlüsse für die Wiedereingliederung. „Niemand, außer dem Arzt, kann kompetent die Schnittstelle Krankheit/Arbeitsplatz ,reibungslos' machen“, betont Dr. Thomas Hingerl, ärztlicher Leiter der Arbeitsmedizinischen Zentren Nordwest. Er fordert die Unternehmen daher dringend dazu auf, bei entsprechenden Fällen den Betriebsarzt zu konsultieren und nicht auf eigene Faust zu handeln – vor allem keine medizinische Auswertung nach Aktenlage vornehmen. Hingerl sieht eine klare Trennung der Zuständigkeiten: „Die Betriebe müssen sich über die konkrete Stellensituation Gedanken machen und nicht über medizinische Befunde.“

Bei größeren Firmen ist die Einrichtung eines Integrationsteams sinnvoll. Dieses setzt sich optimalerweise zusammen aus Vertretern des Unternehmens und des Betriebsrats, der Schwerbehindertenvertretung sowie dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Beschäftigt sich das Team mit einem konkreten Fall, stoßen der betroffene Mitarbeiter und die zuständige Führungskraft hinzu und erörtern gemeinsam das Vorgehen. In kleineren Betrieben, in denen die Bildung eines Integrationsteams nicht möglich ist bzw. sich auch nicht lohnt, kann der Betriebsarzt die Steuerung des BEM in die Hand nehmen.

Die Vorteile des Eingliederungsmanagements für das Unternehmen liegen auf der Hand: Neben konkreten Kosteneinsparungen mit Blick auf Lohnfortzahlungen oder das Einarbeiten einer Ersatzkraft kann das BEM zu einem positiven Image führen und somit einen Wettbewerbsvorteil hinsichtlich Personalgewinnung bedeuten. Zudem bleiben die Kompetenzen des Mitarbeiters dem Unternehmen erhalten. Auch lassen sich am Einzelfall betriebliche Ursachen für Arbeitsausfälle erkennen und so künftige Probleme vermeiden. Allen Beteiligten muss jedoch klar sein, dass das BEM als ergebnisoffenes Verfahren zu begreifen ist.

Partner außerhalb des Betriebs im Zusammenhang mit dem Eingliederungsmanagement sind Rehabilitationsträger, Integrationsämter und Integrationsfachdienst. Für weitere Fragen stehen auch die Arbeitsmedizinischen Zentren zur Verfügung.