Fragenkatalog des Ausschusses für Arbeitsmedizin

Der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfaMed) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) hat einen Fragenkatalog zur Arbeitsmedizinischen Prävention zusammengestellt, der regelmäßig aktualisiert wird. Die Fragen und Antworten können auf der Website der baua im Downloadbereich heruntergeladen werden. Zur baua >>

1. Welche Aufgaben hat ein Betriebsarzt?

Im Rahmen der Fürsorgepflicht für seine Beschäftigten muss der Arbeitgeber die Arbeitsplätze so gestalten, dass gesundheitliche Gefährdungen der Mitarbeiter vermieden werden. Bei dieser Aufgabe wird er unterstützt vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Aufgaben des Betriebsarztes sind hauptsächlich in § 3 des Arbeitssicherheitsgesetzes festgelegt.

Dazu zählen u.a.:

  • die Beratung des Arbeitgebers in arbeitsmedizinischen Fragen und ihrer praktischen Umsetzung auf betriebliche Belange,
  • die arbeitsmedizinische Vorsorge
  • die regelmäßige Begehung der Arbeitsplätze, Untersuchung der Arbeitsplätze nach arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Gesichtspunkten,
  • die Beratung des Arbeitgebers bezüglich Organisation der Ersten Hilfe

Je nach Arbeitsplatz können Mitarbeiter unterschiedlichen Gefährdungen ausgesetzt sein. Solche Gefährdungen sind z.B. Lärm, Gefahrstoffe wie Blei, Asbest oder Lösungsmittel, Infektionsgefahren (z.B. im Gesundheitswesen) oder auch die Bildschirmarbeit. Die Hauptaufgabe des Betriebsarztes ist es, berufsbedingte Erkrankungen im Vorfeld zu vermeiden oder zumindest frühzeitig zu erkennen, um so deren Fortschreiten zu verhindern. Dafür setzt der Betriebsarzt das Mittel der Vorsorge ein (ArbmedVV). Der Umfang der Vorsorgeuntersuchung richtet sich nach der jeweiligen Gefährdung und umfasst z.B. Audio- und Optometrie, Blutuntersuchungen, Lungenfunktionsmessungen und (Belastungs-)EKG sowie Begehungen mit genauer Analyse der Arbeitsbedingungen.  

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2. Ist die arbeitsmedizinische Vorsorge eine Pflicht für Arbeitnehmer und -geber?

In der Arbeitsmedizin wird zwischen Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge unterschieden.
Pflichtvorsorge: Diese ist bei besonders gefährdenden Tätigkeiten zu veranlassen.
Angebotsvorsorge: Muss vom Arbeitgeber regelmäßig angeboten werden, z.B. bei Exposition mit Gefahrstoffen, krebserzeugenden Arbeitsstoffen und sensibilisierenden Stoffen.
Wunschvorsorge: Ist auf Wunsch des Arbeitnehmers zu ermöglichen, z.B. bei Vorliegen besonderer Belastungen des Muskel- und Skelettsystems.

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3. Wer bezahlt die Vorsorge?

Kostenträger und Auftraggeber ist in der Regel der Betrieb. Auch können uns Berufsgenossenschaften oder Privatpersonen gegen Rechnung in Anspruch nehmen.

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4. Dürfen arbeitsmedizinische Leistungen auch über die Krankenkasse abgerechnet werden?

Die Leistungen der Krankenkassen dienen der Behandlung von Krankheiten und werden von der Solidargemeinschaft der Versicherten finanziert.
Betriebsärztliche Leistungen dienen dem Schutz des Arbeitnehmers vor den besonderen, vom Betrieb ausgehenden Gesundheitsgefahren. Daher sind die entstehenden Kosten vom Arbeitgeber zu tragen.

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5. Welche Informationen erhält der Arbeitgeber über die Untersuchungsergebnisse?

Der Inhalt des eigentlichen Gespräches und die erhobenen Befunde fallen immer unter die Ärztliche Schweigepflicht. Mitarbeiter und Arbeitgeber erhalten nach der Untersuchung oder Vorsorge eine Bescheinigung.

Als Untersuchungsergebnis sind bei Eignungsuntersuchungen vier Aussagen möglich:

keine gesundheitlichen Bedenken
– d.h. der Mitarbeiter kann die Tätigkeit uneingeschränkt weiter durchführen

keine Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen –  d.h. der Mitarbeiter kann die Tätigkeit weiter durchführen, es müssen dazu aber gewisse Auflagen erfüllt sein, z.B. das Tragen persönlicher Schutzausrüstung, Änderungen der Arbeitsorganisation.

befristete Bedenken – d.h. der Mitarbeiter kann seine Tätigkeit vorübergehend nicht ausüben, z.B. bis zum Ausheilen einer Erkrankung.

dauernde Bedenken – d.h. der Mitarbeiter kann die Tätigkeit voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Über diese Aussagen hinaus erfahren Arbeitgeber keine weiteren Details der Untersuchung. Sollten individuelle Untersuchungsergebnisse bedeutsam werden, z.B. bei Neuschaffung oder Umgestaltung von Arbeitsplätzen, muss das Vorgehen individuell zwischen Mitarbeiter und Arzt besprochen werden.

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6. Führen Sie auch Drogentests durch?

Werden bestimmte Anforderungen an den Arbeitsplatz gestellt, führen wir auch Drogentests durch. In jedem Fall muss der Mitarbeiter vorher sein schriftliches Einverständnis geben.

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7. Was ist bei Schwangerschaft und Mutterschutz zu beachten?

Ist eine Mitarbeiterin schwanger, sollte diese ihren Arbeitgeber baldmöglichst über die bestehende Schwangerschaft informieren. Erst dann kann sie in den Genuss der Mutterschutzmaßnahmen kommen.

Nach Kenntnis der Schwangerschaft muss der Arbeitgeber unverzüglich eine Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeit(en) der werdenden Mutter durchführen. Unterstützend wirken dabei unter anderen die Betriebsärztin bzw. der Betriebsarzt, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie die Betriebs- und Personalräte mit.

Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen sind das Mutterschutzgesetz (MuSchG) und die Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV). Bei berufsgruppenspezifischen Fragen helfen wir gerne weiter. Kontaktieren Sie uns.

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