SARS-CoV-2-Antikörpertests: Aktueller Stand

Neben der Erforschung antiviraler Mittel und Impfstoffe nimmt die Diagnostik von Infektionen einen besonderen Stellenwert im Kampf gegen das Coronavirus ein. Mittlerweile sind neben den bislang üblichen PCR Testungen auch Blutuntersuchungen auf COVID 19 möglich. Letztere drängen immer stärker auf den Markt. Doch was verbirgt sich hinter diesen Blutuntersuchungen?

Wir geben einen Überblick:

PCR Test für akute Infektionen

Für akute Infektionen ist der direkte Erregernachweis mittels PCR aus Rachenraum oder unteren Atemwegen ausschlaggebend.

Ein negatives PCR Ergebnis schließt allerdings die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus, da hier falsch negative Ergebnisse möglich sind (schlechte Probenqualität, unsachgemäßer Transport, ungünstiger Zeitpunkt der Probenentnahme im Hinblick auf die Erkrankung, etc.).

Antikörper Tests nach einer überstandenen Infektion

Im Verlauf der Erkrankung bildet der Körper Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, zur Eliminierung des Virus. Bisherige Untersuchungen ergaben, dass die Mehrzahl der Patienten Antikörper ca. in der zweiten Woche nach Symptombeginn produziert. Der Nachweis dieser Antikörper im Blut (Serologie) kann genutzt werden, um abgelaufene bzw. durchgemachte Infektionen nachzuweisen.

  • Schnelltests
    Als ein Nachweisverfahren werden sogenannte Schnelltests zum qualitativen Nachweis von Antikörpern in Lateral- Flow Assay- bzw. Chemilumineszenz Formaten (verwendete Nachweismethode) angeboten. Die Schnelltests erinnern an einen „Schwangerschaftstest“, hierfür benötigt man wenige Tropfen Kapillarblut aus der Fingerspitze, die auf ein Teststäbchen oder in eine Testkassette getröpfelt werden.

    Bei den Schnelltests kann es sich um Medizinprodukte handeln, die nicht validiert, d.h. unabhängig geprüft sind!

    Teilweise ist mit diesen neuen Schnelltest eine Unterscheidung zwischen dem neuartigen SARS CoV-2 und anderen Coronaviren nicht möglich, so dass eine falsche Sicherheit erweckt werden könnte. Aufgrund dessen wird vom Gebrauch solcher Schnelltests abgeraten.

    In einer Stellungnahme der WHO vom 08.04.2020 heißt es unter anderem:
    „Bevor diese Tests jedoch empfohlen werden können, müssen sie in den entsprechenden Populationen und Einstellungen validiert werden. Inadäquate Tests können Patienten mit aktiver Infektion übersehen oder Patienten fälschlicherweise als krank eingestuft werden, wenn dies nicht der Fall ist, was die Bemühungen zur Krankheitsbekämpfung weiter behindert. Derzeit empfiehlt die WHO auf der Grundlage aktueller Erkenntnisse, diese neuen, immundiagnostischen Point-of-Care-Tests nur in Forschungsumgebungen zu verwenden. Sie sollten nicht in anderen Umgebungen verwendet werden, auch nicht für klinische Entscheidungen, bis Beweise vorliegen, die die Verwendung für bestimmte Indikationen belegen.“
  • ELISA Tests
    Ein weiteres Testverfahren für die Bestimmung von Antikörpern im Blut ist der sog. ELISA- Test. Für dieses Verfahren wird venöses Blut abgenommen und an ein Partnerlabor versendet, welches den ELISA Test dann durchführt. Hierbei wird die Blutprobe auf eine Testplatte gegeben, die mit Bruchstücken des neuartigen Coronavirus präpariert ist. Sind in der Blutprobe Antikörper, verbinden sie sich mit den Virus-Bruchstücken. Ein farbiger Marker verdeutlicht dabei das positive Ergebnis.

    Für die Antikörperbestimmungen auf COVID 19 gibt es erste, kommerzielle ELISA- Tests, deren Spezifität und Sensitivität in Studien belegt ist. Spezifität bedeutet „Richtig falsch erkannte Testungen“ und Sensitivität „Richtig positiv erkannte Testungen“. Die Rate für falsch positive Tests wird mit 2-3 % angegeben.

    Dieses vermittelt vorerst den Eindruck, dass man mit den ELISA Testungen eine abgelaufene Immunität bei Nachweis von Antikörpern relativ sicher belegen könnte.

    Zur Erlangung einer absoluten Sicherheit wären allerdings Bestätigungstests wie beispielsweise der „Neutralisationstest“ erforderlich. Dieser wird aktuell nur an der Charité durchgeführt und kann nicht allgemein kommerziell angeboten werden. Dies hat zur Folge, dass die üblichen Labore bei Nachweis von Antikörpern im ELISA schreiben, dass eine Immunität gegenüber COVID 19 nur anzunehmen ist.

    Wichtiger Hinweis: Eine absolute Sicherheit ist ohne die Durchführung eines Bestätigungstests trotz hoher Spezifität aktuell nicht zu bescheinigen!!

    Fazit: Die aktuell zur Verfügung stehenden Tests auf Immunität bieten keine absolute Sicherheit. Ferner liegt die Immunitätsrate in der Bevölkerung bei einigen Prozent, so dass die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Befund ohnehin gering ist. Im Falle des Nachweises von Antikörpern gibt es aktuell keinen Beweis, ob tatsächlich eine Immunität vorliegt. Nimmt man diese an, wird auch über die Dauer der Immunität diskutiert (aktuell schätzt man die Zeitdauer zwischen 3 Monaten und 2 Jahren).

    Mitte Mai sind ELISA Testungen von Roche eingeführt worden, die CE gekennzeichnet sind und eine höhere Spezifität versprechen. Dazu heißt es von Roche: „Er ist wesentlich sensitiver und spezifischer als die Tests, die heute verfügbar sind.  Der Test hat eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 99,8 Prozent.“

    Mit Stand vom 24. April 2020 konnte allerdings noch in keiner Studie sicher bewertet werden, ob das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 Menschen Immunität gegen eine spätere Infektion mit diesem Virus verleiht, betont auch Roche.

Fazit

Die aktuellen Antikörper Testungen geben keine absolute Sicherheit über eine Immunität gegen COVID 19 im Falle von positiven Testungen.
 
Außer epidemiologischen Fragestellungen (z.B. Durchseuchungsrate in einer Bevölkerungsgruppe feststellen) oder als Ergänzung zur Diagnostik (falsch negative PCR Testungen detektieren) haben sie zum aktuellen Zeitpunkt keine weitere Aussagekraft.
 
Bei weitere Fragen rund um die Testungen wenden Sie sich bitte an: nordhorn@amz-nordwest.de