Informationsveranstaltung: Welcher Corona-Test ist für Betriebe geeignet?

Praktische und vertiefende Informationen aus arbeitsmedizinischer Sicht erhielten am vergangenen Donnerstag die Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim und der Arbeitsmedizinischen Zentren Nordwest bei einem digitalen Impulsvortrag zu dem Thema „Corona-Testungen im Betrieb“. Rund 75 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter nahmen an dem Vortrag mit Referentin Gülsen Hellbach, Ärztliche Leiterin der Arbeitsmedizinischen Zentren Nordwest, teil.

„Die Resonanz auf unser Angebot zeigt, dass die Unternehmen großen Bedarf haben, sich über die Umsetzung der verpflichtenden Corona-Testangebote in Betrieben auszutauschen und zu informieren“, sagte Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim und der Arbeitsmedizinischen Zentren Nordwest, zu Beginn der Veranstaltung. Hintergrund für den Termin war die am 20. April in Kraft getretene und am 21. April aktualisierte Erweiterung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, in der Arbeitgeber nun verpflichtet sind, in ihren Betrieben allen Mitarbeitern, die nicht ausschließlich im Homeoffice arbeiten, mindestens 2-mal pro Woche Selbst- oder Schnelltests anzubieten.

„Für die Unternehmen gibt es vor allem zwei Testvarianten, die sich für eine praxisorientierte Umsetzung der aktuellen Verordnung eignen“, erklärte Referentin Gülsen Hellbach. Hierzu zählten die Antigen Schnelltests zur professionellen Anwendung - auch Point of Care (PoC)-Tests genannt - und die Antigen Schnelltests zur Eigenanwendung, die als sogenannte „Laientests“ bekannt sind. „Aufgrund der verzögerten Befundmitteilung und der vergleichsweise hohen Kosten spielen PCR-Tests, die nach wie vor den Goldstandard darstellen, eine untergeordnete Rolle für die Unternehmen“, so Hellbach.

Doch welcher Test ist für welches Unternehmen geeignet? „Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt maßgeblich von den Anforderungen, Ansprüchen und Bedürfnissen jedes einzelnen Unternehmens ab“, erläuterte Hellbach. Für beide Testvarianten gebe es Vorteile: „Der Laientest benötigt kein geschultes Personal, ist sowohl zu Hause als auch an der Arbeitsstelle einsetzbar und seine Beschaffung und Organisation verursacht im Vergleich zu PoC-Tests geringere Kosten. Auch der organisatorische Aufwand sei vergleichsweise niedriger, so Hellbach. Der PoC-Test hingegen liefere eine leicht höhere Genauigkeit. „Durch seine standardisierte Durchführung - denn in der Regel führt immer dieselbe Person den Test unter immer gleichen Bedingungen durch - ist dieser Test etwas weniger fehleranfällig“, resümiert die Arbeitsmedizinerin.

Hellbach gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch viele weitere Informationen über die medizinischen Aspekte von Testungen in Unternehmen mit auf den Weg, wie beispielsweise zur Validierung von Tests - also der Überprüfung der Herstellerangaben zur Spezifität und Sensitivität - zu deren Mindestanforderungen sowie eine Erläuterung der verschiedenen Abstrich-Methoden.

Auf einen weiteren Aspekt machte Hellbach die Zuhörerinnen und Zuhörer am Ende ihres Vortrags aufmerksam: „Es ist auch wichtig, die rechtliche Seite der Testungen im Betrieb im Auge zu haben.“ Hier sei für die Unternehmen vor allem wichtig, Bestellnachweise aufzubewahren, um im Kontrollfall nachweisen zu können, dass ausreichend Tests bestellt wurden. Außerdem sollten Rechnungen über die Tests oder in deren Zusammenhang erbrachte Dienstleistungen mindestens vier Wochen aufbewahrt werden. „Zudem ist es wichtig, formlos zu dokumentieren, wann und in welcher Form die Mitarbeiter über das Testangebot informiert wurden“, sagte Hellbach. Eine Information an die Mitarbeiter, wie sie sich im Falle eines positiven Testergebnisses verhalten sollten, sei ebenso ratsam, so die Ärztin.

Da dieser letzte Programmpunkt zu großem Diskussionsbedarf führte, kündigte Jutta Lübbert eine Folgeveranstaltung an, in der die arbeitsrechtlichen Folgen der Corona-Testangebote in Betrieben im Fokus stehen sollen.